Frühere Vorträge

Mit den Ohren sehen - Neurobiologie der Echoortung von Fledermäusen

Prof. Dr. Manfred Kössl, Inst. für Zellbiologie und Neurowissenschaft am 15. März 2010

Der Vortrag steht als Podcast zur Verfügung

Das Gehör ist der wichtigste Sinn von Fledermäusen und es ist angepasst auf die präzise und hochsensitive Wahrnehmung von Echoortungssignalen. Fledermäuse sind hinsichtlich neuronaler Zeitverarbeitung und Tonhöhenauflösung Hochleistungssportler. Sie nutzen vielfältige evolutive Anpassungen um unterschiedlichste sinnesökologische Nischen zu besetzen. Im Vortrag wurden neurobiologische Mechanismen dargestellt, die für die Echoortung essentiell sind, aber auch für das menschliches Hören und Sprachwahrnehmung ein spannendes Modellsystem darstellen.

Paläoneurologie: Hirnwachstum, Sprache und menschliche Evolution

Prof. Dr. Helmuth Steinmetz, Direktor der Klinik für Neurologie am 15. März 2010

Der Vortrag steht als Podcast zur Verfügung

Im Jahr 1 nach dem "Darwin-Jahr" und parallel zur noch laufenden Ausstellung "Safari zum Urmenschen" im Senckenberg-Museum, versuchte Prof. Steinmetz in seinem rund 60-minütigen Vortrag eine Analyse von Zusammenhängen zwischen der Verdreifachung der Größe und der Entstehung neuer Funktionen unseres Großhirns in den vergangenen 4 Millionen Jahren. Die diskutierten Hypothesen stützen sich auf Fossilienfunde, heutige bildgebende Erkenntnisse über die Entwicklung des menschlichen Gehirns und anatomische Betrachtungen des Vokaltrakts. Prof. Steinmetz unterstützte mit seinem Einblick in unsere Vorgeschichte das Anliegen der globalen "Brain Awareness Week", die am Tag dieses Vortrags eröffnet wurde.

Im zerbrechlichen Haus der Seele - Wie die moderne Neurochirurgie arbeitet

Prof. Dr. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am 16. November 2009

Der Vortrag steht als Podcast zur Verfügung

Wie kaum eine andere operative Disziplin hat die Neurochirurgie von den großen
Fortschritten in der Mikrochirurgie, der modernen Bildgebung und der Entwicklung der Computertechnik profitiert. Hierdurch wurde die durch peri- und intraoperative Neuronavigation unterstützte mikrochirurgische Operation komplexer Hirntumore und zerebrovaskulärer Erkrankungen wie Aneurysmen, Angiome und Cavernome im Sinne eines minimal-invasiven Vorgehens möglich. Die heute dem Neurochirurgen zur Verfügung stehenden chirurgischen Techniken erlauben die Durchführung schwierigster Hirneingriffe ohne Mortalität und mit einer extrem geringen Morbidität. In dem Vortrag wurde die Entwicklung der modernen Neurochirurgie im Kontext der eingangs aufgeführten technologischen Fortschritte dargestellt und an exemplarischen Beispielen erläutert.

Transkranielle Magnetstimulation: Hirnfuntion aktivieren - modulieren - therapieren

Prof. Dr. Ulf Ziemann, Klinik für Neurologie am 6. Juli 2009

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Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) erlaubt die schmerzlose und nicht-invasive Stimulation des menschlichen Gehirns. Seit Einführung der Methode 1985 hat die TMS eine fast revolutionäre Entwicklung genommen. Aus der klinisch-neurophysiologischen Routinediagnostik zentralmotorischer Leitungs- und Erregbarkeitsstörungen ist die TMS nicht mehr wegzudenken. Daneben hat die TMS eine herausragende Bedeutung als Werkzeug in der experimentellen Hirnforschung gewonnen. Durch Induktion kurz anhaltender Funktionsstörungen (sog. virtuelle Läsionen) werden Aussagen zur funktionellen Relevanz des stimulierten Hirnareals möglich. Durch Kombination mit anderen neurophysiologischen Methoden wie EEG und funktioneller Bildgebung wurden die Anwendungsmöglichkeiten in den letzten Jahren noch erheblich erweitert. Ein weiteres wichtiges Feld liegt in den Möglichkeiten zur Neuromodulation durch Induktion von Erregbarkeitsveränderungen (Plastizität) im stimulierten Hirngewebe und den damit verknüpften potenziell therapeutischen Anwendung bei Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Der Vortrag „Transkranielle Magnetstimulation: Hirnfunktion aktivieren - modulieren - therapieren“ gab einen exemplarischen Überblick über alle diese Einsatzbereiche der TMS.

Rechner intelligenter als der Mensch?

Prof. Dr. Christoph von der Malsburg, Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) am 16. März 2009

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Bald werden Rechner in ihrer Leistung an das Gehirn heranreichen. Werden wir essentielle Funktionen des Nervensystems dann nachbilden können? Das Frankfurter Bernstein-Projekt, hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, ein funktionierendes Seh-System zu entwickeln. Fundamentale Durchbrüche sind dafür notwendig.  Wo liegen die Probleme, und durch welche Ideen werden wir sie überwinden?  Was bedeutet dies bei Erfolg für unser Verständnis des Gehirns? Diese und andere Fragen behandelte Professor von der Malsburg, Vorstandsvorsitzender des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) in seinem Vortrag.

Das Auge - Fenster zum Gehirn

Prof. Dr. Heinz Wässle, emer. Direktor MPI für Hirnforschung am 19. Januar 2009

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Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan und unser Fenster zur Umwelt. Die Netzhaut, die lichtempfindliche Schicht im Auge, verwandelt Bilder in elektrische Signale, die vom Sehnerven ins Gehirn übertragen werden. Die Netzhaut ist aber auch selbst ein Teil des Gehirns, besitzt einen klaren Aufbau, enthält gut beschriebene Nervenzellen und Schaltkreise und kann so als Modell der viel komplexeren Hirnrinde dienen. Auch in diesem Sinne ist das Auge Fenster zum Gehirn. Im Vortrag zeigte Prof. Heinz Wässle, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung auf, wie die Netzhaut Bilder verarbeitet und was wir daraus für die Funktion des Gehirns lernen können.

Tiefe Hirnstimulation beim Morbus Parkinson - Von der Nervenzelle zum Patienten

Prof. Dr. Jochen Roeper, Institut für Neurophysiologie
Prof. Dr. Rüdiger Hilker, Klinik für Neurologie
PD Dr. Thomas Gasser, Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
am 24. November 2008

Der Vortrag steht als Podcast/MP3 zur Verfügung
Podcast von Prof. Roeper (Internet Explorer | Flash), PD Gasser (MP3) und Prof. Hilker (Internet Explorer | Flash)

Morbus Parkinson, die „Schüttellähmung“, ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung des Menschen. Alleine in Deutschland sind über 250.000 zumeist ältere Menschen betroffen. Typische Symptome sind Zittern bei Ruhe, Muskelsteifheit und Bewegungsarmut. Eine seit mehreren Jahren angewandte, erfolgreiche Behandlungsmethode ist die „Tiefe Hirnstimulation“ (THS), bei der den Patienten ein Impulsgenerator, der so genannte „Hirnschrittmacher“, eingesetzt wird. Dabei werden elektrische Sonden in die Bereiche des Gehirns implantiert, deren Neuronengruppen für die Bewegungskontrolle entscheidend sind. In Folge der mittels Stimulation veränderten elektrischen Aktivität der Nervenzellen können Bewegungsstörungen reduziert werden. In dem dreigeteilten Vortrag „Tiefe Hirnstimulation beim Morbus Parkinson – von der Nervenzelle zum Patienten“ erläuterte Prof. Dr. Jochen Roeper, Leiter der Abteilung Neurophysiologie am Neuroscience Center des Frankfurter Universitätsklinikums die neurophysiologischen Grundlagen der THS. Die neurochirurgischen Strategien der operativen Implantation der THS-Elektroden waren das Thema des Beitrages von PD Dr. Thomas Gasser, Oberarzt an der Klinik für Neurochirurgie des Frankfurter Universitätsklinikums und Leiter der Sektion für funktionelle Neurochirurgie. Prof. Dr. Rüdiger Hilker, Oberarzt an der Klinik für Neurologie des Frankfurter Universitätsklinikums, beschrieb die klinisch-neurologische Betreuung der THS-Patienten.

Neubildung von Nervenzellen im adulten Gehirn: Mechanismen und Möglichkeiten

Prof. Dr. Herbert Zimmermann, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft am 9. Juni 2008

Der Vortrag steht als Podcast zur Verfügung (Internet Explorer | Flash).

Lange Zeit ging die Medizin davon aus, dass die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn nur während der Embryonalentwicklung stattfindet und nach der Geburt und insbesondere im Erwachsenenleben abgeschlossen ist. In seinem Vortrag zeigte Prof. Herbert Zimmermann, Direktor am Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften der J.W. Goethe-Universität, auf, dass auch im erwachsenen Gehirn von Menschen und Säugetieren noch neue Nervenzellen gebildet werden. Diese Nervenzellen entstehen in bestimmten Hirnregionen, den sogenannten neurogenen Nischen, aus dort ansässigen Stammzellen. Insbesondere für das Riechhirn und im Hippokampus werden kontinuierlich neue Nervenzellen generiert. Gegenwärtig werden die Mechanismen, die die Aktivierung der neuralen Stammzellen und die anschließende Wanderung und Bildung von neuen Nervenzellen steuern, intensiv untersucht. Das Verständnis dieser Mechanismen könnte zu therapeutischen Ansätzen für die Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems führen, die auf eine akute oder chronische Schädigung von Nervenzellen zurückzuführen sind.

Wer regiert im Gehirn?

Prof. Dr. Wolf Singer, MPI für Hirnforschung am 10. März 2008 (Brain Awareness Week)

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In seiner Selbstwahrnehmung definiert sich der Mensch meist als frei bestimmtes Wesen mit eigenem Willen. Doch inwiefern sind unsere Wahrnehmung, unsere Empfindungen und Entscheidungen von neuronalen Prozessen abhängig? In seinem Vortrag zeigte Prof. Dr. Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung und Mitbegründer des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) auf, dass neurobiologische Erkenntnisse über die Funktionsweise unseres Gehirns unserer Intuition widersprechen. Nach einer Schilderung der funktionellen Organisation des Gehirns unternahm er den Versuch, die Folgen neurobiologischer Erkenntnisse für unser Selbstverständnis zu untersuchen.

Frühkindliches Lernen - Wie entsteht die innere Welt?

Prof. Dr. Ruxandra Sireteanu, MPI für Hirnforschung am 21. Januar 2008

Was nimmt ein Neugeborenes wahr? Wie werden die lauten, bunten Einflüsse der äußeren Welt zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt? Und welche Rolle spielt frühkindliche Erfahrung? Ist es möglich und sinnvoll, pränatale Förderung zu betreiben? Was ist angeboren, was wird erlernt? Und ist es für Lernen jemals zu spät? Welche Umwelteinflüsse können die frühkindliche Entwicklung beeinflussen? Und welche Hirnmechanismen liegen dieser Entwicklung zugrunde? Diese und andere Fragen beantwortete Prof. Ruxandra Sireteanu (Max-Planck-Institut für Hirnforschung und Institut für Psychologie, Johann Wolfgang Goethe Universität) in ihrem Vortrag.

Schlaganfall – Prävention und Therapie

Prof. Dr. Helmuth Steinmetz, Klinik für Neurologie am 19. November 2007

Akute Gefäßkrankheiten des Gehirns (Schlaganfall) sind mittlerweile so häufig wie akute Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Parallel zur demografischen Entwicklung wird der Schlaganfall in den nächsten 40 Jahren stark zunehmen und eine Hauptursache von Pflegebedürftigkeit im Alter bleiben. Der Vortrag von Professor Steinmetz, Direktor der Klinik für Neurologie an der Goethe-Universität Frankfurt, gab den neuesten Stand der Vorbeugung und Akutbehandlung des Schlaganfalls wieder und gewährte Einblicke in die neurovaskuläre Forschung.

Volkskrankheit Alzheimer – Hoffnung auf Heilung?

Prof. Dr. Johannes Pantel, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am 2. Juli 2007

Die Alzheimer-Krankheit führt zu einer langsam schleichenden Zerstörung des Gehirns, unter deren verheerenden Folgen heute allein in Deutschland über eine Millionen Menschen leiden. Obwohl noch keine ursächliche Heilung bekannt ist, stehen der modernen Medizin bereits heute eine Reihe von Verfahren zur Verfügung, die die Frühdiagnostik und Behandlung des Leidens entscheidend verbessern können. Zu diesen zählen bildgebende Verfahren, neurochemische Laboruntersuchungen und der Einsatz symptomatischer Behandlungsverfahren. Ausgehend von aktuellen Theorien über die Ursachen der Erkrankung gab der Vortrag einen Überblick der genannten Methoden und skizzierte, wie hierdurch die Behandlung bereits in absehbarer Zukunft erheblich verbessert werden könnte. Darüber hinaus kamen auch aktuelle Erkenntnisse über Vorbeugungsmöglichkeiten zur Sprache.

Infektion und Multiple Sklerose: Entzündung im Gehirn als Drahtseilakt

Prof. Dr. Ingo Bechmann, Institut für klinische Neuroanatomie am Klinikum der JWGU am 07. Mai 2007

Entzündung dient der Elimination von infektiösen Erregern und fördert die Regeneration des Körpers, sie erzeugt aber selbst erhebliche Kollateralschäden. Damit Kosten und Nutzen in einem gesunden Verhältnis stehen, werden die Aktivitäten von Immunzellen organspezifisch gesteuert. In Organen, die gut zur Zellneubildung fähig sind, „dürfen“ Immunzellen konsequent alle infizierten Zellen eliminieren. In schlecht regenerationsfähigen Organen müssen dagegen Kompromisse geschlossen werden. Das Gehirn, in dem einzelne Zellen durch ihre Einbindung in neuronale Netzwerke besondere Wichtigkeit haben, ist ein Paradebeispiel für diese Notwendigkeit immunologischer Toleranz. Wir beginnen, die faszinierende Immunregulation im Gehirn zu verstehen und können Erkrankungen wie die Multiple Sklerose als Fehlregulation der zugrunde liegenden Mechanismen neu interpretieren.

Neuroanatomische Grundlagen von Lernen und Gedächtnis

Prof. Dr. Thomas Deller, Institut für Neuroanatomie am Klinikum der JWGU am 22. Januar 2007

Wo speichern wir Erinnerungen? Wie arbeiten unser Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis? Welche Hirnareale werden beim Lernen eingesetzt? Diese und andere Fragen beantwortete Professor Dr. Thomas Deller, Direktor des Instituts für Neuroanatomie am Klinikum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main, in seinem Vortrag. Dabei zeigte der Neurowissenschaftler auf, welche anatomischen Strukturen des Gehirns für Gedächtnisprozesse von Bedeutung sind. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Lern- und Gedächtnisformen unterschieden und die daran beteiligten Hirnregionen und funktionellen Systeme vorgestellt. Anschließend erörterte er die zellulären Grundlagen von Lern- und Gedächtnisprozessen und illustriert die Inhalte seinem Publikum anhand von einfachen Beispielen.

Wie tickt unsere biologische Uhr?

Prof. Dr. Horst-Werner Korf, Institut für Experimentelle Neurobiologie am Klinikum der JWGU am 27. Nov. 2006

Viele Funktionen unseres Körpers werden durch eine „Innere Uhr“ gesteuert. Diese Uhr hat sich im Zuge der Evolution schon sehr früh herausgebildet und bis heute bei allen Lebewesen erhalten. Der Vortrag befasste sich mit fünf großen Fragen:

Wo liegt die Innere Uhr?
Wie baut sie einen inneren (circadianen) Rhythmus auf?
Wie wird die innere Uhr an den Tag/Nacht Rhythmus der Umwelt angepasst?
Wie vermittelt die innere Uhr ihre Signale an den Organismus?
Welche Folgen hat ein Leben gegen die innere Uhr?

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